Fast jedes Mittelmeerziel macht im Oktober zu. Die Hotels an der türkischen Riviera fahren zurück, auf den kleineren griechischen Inseln werden die Sonnenschirme eingesammelt, und Mallorca verabschiedet sich in die Winterpause. Am Roten Meer passiert genau das Gegenteil: Dort beginnt jetzt die beste Zeit des Jahres.
Das ist keine Marketingaussage, sondern schlicht das Klima. Im Juli und August hat Oberägypten Temperaturen, bei denen ein Ausflug nach Luxor zur Zumutung wird und man das Hotelgelände zwischen elf und sechzehn Uhr kaum verlässt. Ab Ende September dreht sich das. Die Luft geht auf angenehme 30 Grad zurück, das Wasser bleibt bei 27 Grad, und der Wüstenstaub, den der Sommerwind aufwirbelt, legt sich. Wer Ägypten nur im Sommer kennt, kennt das falsche Ägypten.
Das gilt auch für unsere Kundinnen und Kunden:
Ägypten ist das einzige Badeziel in unserem Programm, bei dem die Nachfrage im Oktober höher liegt als im Juli. Bei allen anderen Zielen fällt sie ab Mitte September deutlich ab – am Roten Meer steigt sie und hält bis in den Februar. Für Sie heißt das zweierlei: Die guten Hotels sind im Winter nicht billiger, sondern gefragter. Und Weihnachten, Silvester und die Semesterferien sind am Roten Meer die teuersten Wochen des Jahres.
Die Zahlen, um die es eigentlich geht
Bei kaum einem Ziel wird so viel über Wassertemperatur diskutiert wie bei Ägypten im Winter – und bei kaum einem ist die Antwort so eindeutig. Das sind die Durchschnittswerte für den Raum Hurghada:
| Monat | Luft tagsüber | Wasser | Charakter |
|---|---|---|---|
| September | ca. 33 °C | ca. 28 °C | noch heiß, Wasser am wärmsten |
| Oktober | ca. 30 °C | ca. 27 °C | der beste Monat des Jahres |
| November | ca. 26 °C | ca. 25 °C | ideal für Ausflüge, angenehm warm |
| Dezember | ca. 23 °C | ca. 23 °C | Badeurlaub möglich, Abende kühl |
| Jänner | ca. 22 °C | ca. 22 °C | kühlster Monat, weiterhin sonnig |
| Februar | ca. 23 °C | ca. 21 °C | Wasser am kühlsten, windig |
| März | ca. 25 °C | ca. 22 °C | Frühling, Ausflugszeit |
| April | ca. 28 °C | ca. 24 °C | wieder voll badetauglich |
Dazu kommt der Faktor, der in keiner Tabelle steht: Es regnet praktisch nie. Neun bis zehn Sonnenstunden am Tag sind am Roten Meer auch im Dezember normal. Wer aus einem steirischen November mit vier Stunden Tageslicht und Hochnebel kommt, spürt diesen Unterschied am zweiten Tag körperlich.
Ein ehrlicher Zusatz: Abends wird es kühl. Zwischen Dezember und Februar fällt die Temperatur nach Sonnenuntergang auf 12 bis 14 Grad. Wer mit T-Shirt zum Abendessen geht, friert. Ein Pullover und eine leichte Jacke gehören in den Koffer – das überrascht jedes Jahr aufs Neue Gäste, die „Ägypten" gehört haben und an Sommer gedacht haben.
01 Hurghada – für alle, die nicht nur im Hotel sitzen wollen
Hurghada ist die lebendigste Region am Roten Meer und für die meisten Erstbesucher die richtige Wahl. Der Flughafen liegt mitten im Ort, die nördlichen Hotelzonen sind in zwanzig Minuten erreicht, und rundherum gibt es tatsächlich etwas: die Promenade in El Dahar mit dem alten Basar, die neuere Marina mit Restaurants am Wasser, Bootsausflüge, die vor der Tür starten, und ein Angebot an Tauchbasen, das seinesgleichen sucht.
Für Familien ist Hurghada auch deshalb praktisch, weil sich hier die Aquapark-Anlagen konzentrieren. Wenn das Wasser im Jänner 22 Grad hat und die Kinder trotzdem den ganzen Tag rutschen wollen, ist ein beheizter Pool mehr wert als der schönste Hausriff-Steg.
Der Nachteil: Die Küste nördlich von Hurghada ist offen und im Winter windexponiert. Wer hier bucht, sollte gezielt auf eine Bucht- oder Lagunenlage achten. Und ein zweiter Punkt, den man selten liest – an vielen Stränden hier braucht man Badeschuhe, weil der Einstieg über Korallenschutt geht.
Unser Tipp
Fragen Sie bei jedem Winterangebot nach, ob der Pool beheizt ist – und ob die Heizung im Dezember und Jänner tatsächlich läuft. Manche Häuser bewerben einen beheizten Pool, schalten ihn aber nur bei entsprechender Auslastung ein. Das ist genau die Art Frage, die wir für Sie beim Veranstalter klären, bevor Sie buchen.
02 Soma Bay – die ruhige, windgeschützte Alternative
Soma Bay liegt rund 45 Kilometer südlich von Hurghada auf einer Halbinsel und ist etwas völlig anderes als der Rest der Küste: eine geschlossene Bucht mit einer Handvoll großer Häuser, einem Golfplatz, einer Thalasso-Anlage – und ohne jeden Ortskern. Es gibt hier keine Straße mit Geschäften, keine Basare, keine Bars. Wer das erwartet, ist in Soma Bay falsch. Wer genau das nicht will, ist goldrichtig.
Der praktische Vorteil im Winter ist die Lage. Die Bucht öffnet sich nach Süden und ist gegen den vorherrschenden Nordwind abgeschirmt – während man weiter nördlich im Jänner bei Wind am Strand sitzt, ist es hier deutlich ruhiger. Dazu kommt eine flache, weite Sandbank, über die man hunderte Meter hinauswaten kann, bevor das Riff beginnt. Für Familien mit kleinen Kindern ist das eine der besten Strandsituationen am ganzen Roten Meer.
Die bekanntesten Häuser der Bucht – Kempinski, Sheraton, Robinson, La Résidence des Cascades – werden ab Oktober spürbar stärker nachgefragt als im Sommer. Wer über Weihnachten oder in den Semesterferien möchte, sollte früh dran sein; das sind die Wochen, in denen in Soma Bay am wenigsten frei ist.
03 Makadi Bay – der Kompromiss, der für die meisten aufgeht
Makadi Bay liegt zwischen Hurghada und Soma Bay, etwa 35 Kilometer südlich des Flughafens, und ist in der Praxis die Region, die wir am häufigsten empfehlen. Sie hat die geschützte Buchtlage, die Hurghada im Norden fehlt, aber deutlich mehr Auswahl an Hotels in der Mittelklasse als Soma Bay. Der Transfer ist mit rund vierzig Minuten kurz genug, dass die Kinder nach dem Flug nicht noch einmal durchdrehen.
Das Hausriff ist an vielen Stellen der Bucht direkt vom Steg erreichbar, was Makadi zu einem sehr guten Einstiegsziel für alle macht, die zum ersten Mal schnorcheln. Und der große Wasserpark der Region liegt so, dass ihn mehrere Hotels über einen internen Shuttle mitnutzen – man muss also nicht im teuersten Haus wohnen, um hinzukommen.
04 Marsa Alam – am wärmsten, am ruhigsten, am weitesten
Rund 250 Kilometer südlich von Hurghada liegt Marsa Alam, und der Unterschied ist im Winter deutlich spürbar: Luft und Wasser sind hier ein bis zwei Grad wärmer als im Norden, der Wind ist schwächer, und die Küste ist noch weitgehend unverbaut. Wer im Jänner sicher baden will, ohne über die Wassertemperatur nachzudenken, fährt nach Marsa Alam.
Der zweite Grund ist das, was unter Wasser passiert. Die Riffe hier gelten als die besten des ägyptischen Roten Meeres. In der Bucht von Abu Dabbab gibt es eine Seegraswiese, an der Dugongs – Seekühe – fressen, und Meeresschildkröten sind hier kein seltener Glücksfall, sondern eine realistische Erwartung. Für Schnorchler und Taucher ist das der eigentliche Grund, die zusätzliche Flugzeit in Kauf zu nehmen.
Der Preis dafür ist Abgeschiedenheit. Außerhalb der Hotelanlagen gibt es kaum Infrastruktur, Ausflüge sind länger, und der Weg nach Luxor dauert von hier aus deutlich länger als von Hurghada. Marsa Alam ist ein Ziel für Menschen, die am Meer bleiben wollen – nicht für solche, die jeden zweiten Tag etwas unternehmen möchten.
Welche Region zu Ihnen passt, hängt weniger vom Hotel ab als von der Frage, wie Sie Urlaub machen. Genau das klären wir im Gespräch.
Ägypten Pauschalreisen ansehen05 Sharm el-Sheikh – die Alternative auf der anderen Seite
Sharm el-Sheikh liegt nicht am ägyptischen Festland, sondern an der Südspitze der Sinai-Halbinsel, und ist im Winter aus einem Grund interessant: Die Buchten von Naama Bay und Sharks Bay sind von Bergen umschlossen und damit noch windgeschützter als Soma Bay. Dazu kommt der Ras-Mohammed-Nationalpark, eines der berühmtesten Tauchgebiete der Welt.
Für Reisende aus Österreich ist Sharm allerdings umständlicher: Direktverbindungen ab Graz gibt es nicht, und auch ab Wien ist das Angebot dünner als nach Hurghada. In der Praxis heißt das meist Umsteigen. Wenn Sie ohnehin tauchen und die Riffe der Grund für die Reise sind, kann sich das lohnen – für einen unkomplizierten Badeurlaub im Winter ist Hurghada oder Makadi Bay ab Österreich schlicht der einfachere Weg.
Was im Winter geht – und im Sommer nicht
Der eigentliche Gewinn eines Ägypten-Urlaubs im Herbst und Winter liegt nicht am Strand, sondern daneben. Drei Dinge werden erst durch die kühlere Jahreszeit möglich:
Luxor und das Tal der Könige
Von Hurghada aus ist Luxor ein langer, aber machbarer Tagesausflug. Im Juli und August wird daraus eine Tortur – Oberägypten erreicht dann regelmäßig 42 Grad und mehr, und die Gräber im Tal der Könige sind unbelüftete Kammern im Fels. Zwischen November und März liegt die Tagestemperatur in Luxor bei angenehmen 25 bis 28 Grad. Der Karnak-Tempel, die Memnonkolosse, der Totentempel der Hatschepsut: All das erlebt man im Winter, wie es gedacht war.
Die Wüste
Quad-Touren, Jeep-Safaris und Abende im Beduinencamp funktionieren im Winter deutlich besser. Tagsüber ist die Wüste angenehm warm statt lebensfeindlich, und nachts wird es kalt genug, dass ein Lagerfeuer Sinn ergibt. Der Sternenhimmel über der Ostwüste gehört zu den klarsten, die man von Europa aus in vier Flugstunden erreichen kann.
Tauchen mit der besten Sicht des Jahres
Die Sichtweite unter Wasser ist am Roten Meer im Winter am größten, weil weniger Plankton im Wasser steht. Dreißig Meter Sicht sind normal, an guten Tagen mehr. Das Wasser ist mit 21 bis 23 Grad kühler als im Sommer – für einen Tauchgang im Nassanzug völlig in Ordnung, beim Schnorcheln merkt man es nach einer halben Stunde. Ein dünner Shorty macht hier einen größeren Unterschied, als die meisten erwarten.
Anreise ab Graz und Wien
Ägypten ist eines der wenigen Fernziele, die sich von der Steiermark aus ohne Umweg erreichen lassen. Der Direktflug Graz–Hurghada dauert rund 3 Stunden 45 Minuten bis 4 Stunden – überraschend wenig für ein Ziel, das sich exotisch anfühlt. Ab Wien liegt die Flugzeit nach Hurghada bei etwa 3 Stunden 45 Minuten, nach Marsa Alam bei rund 4 Stunden 15 Minuten.
Die Transferzeiten ab dem Flughafen Hurghada sind kurz: die nördlichen Hotelzonen etwa zwanzig Minuten, Makadi Bay rund vierzig Minuten, Soma Bay knapp eine Stunde. Marsa Alam hat einen eigenen Flughafen, von dem aus die meisten Hotels in zwanzig bis fünfzig Minuten erreicht sind – von Hurghada aus dorthin zu fahren ist mit dreieinhalb bis vier Stunden dagegen eine Zumutung, die man sich sparen sollte.
Welche Ziele ab Graz-Thalerhof direkt fliegen und wie lange die einzelnen Strecken dauern, haben wir separat aufgeschrieben.
Direktflüge ab Graz im Herbst und WinterEhrlich gesagt: Was Sie vorher wissen sollten
Ägypten ist ein hervorragendes Preis-Leistungs-Ziel, aber es ist nicht Österreich mit Palmen. Fünf Dinge, die wir jedem Kunden sagen, bevor er bucht:
- Der Wind. Zwischen November und Februar weht am Roten Meer regelmäßig ein kräftiger Nordwind – der Grund, warum Kitesurfer genau dann kommen. Wählen Sie eine geschützte Bucht, wenn Sie ihn nicht wollen. Auf Hotelfotos sieht man das nie.
- Die Abende. Von Dezember bis Februar sind 12 bis 14 Grad nach Sonnenuntergang normal. Pullover einpacken.
- Das Essen und das Wasser. Leitungswasser wird nicht getrunken, auch nicht zum Zähneputzen. In guten Häusern ist das kein Thema, aber es gehört gesagt. Bei der Hotelwahl ist die Küchenqualität der Punkt, an dem sich günstige und gute Häuser am deutlichsten unterscheiden – deshalb fragen wir bei Ihnen nach, bevor wir empfehlen.
- Trinkgeld gehört dazu. Kleine Scheine mitnehmen. Das ist kein Ärgernis, sondern Teil des Systems und wird sehr direkt honoriert.
- Der Ramadan verschiebt sich. Er wandert jedes Jahr um etwa elf Tage nach vorne und fällt in den kommenden Jahren zunehmend in die Wintermonate. In den Hotelanlagen merkt man davon wenig, bei Ausflügen und außerhalb der Resorts durchaus. Fragen Sie uns, ob Ihr Wunschtermin betroffen ist.
Die Regionen im direkten Vergleich
| Region | Transfer ab HRG | Windschutz | Passt zu |
|---|---|---|---|
| Hurghada Nord | ca. 20 Min. | gering | Ausflüge, Nightlife, Tauchbasen |
| Makadi Bay | ca. 40 Min. | gut | Familien, erstes Mal Ägypten |
| Soma Bay | ca. 60 Min. | sehr gut | Ruhe, Golf, Thalasso, Kleinkinder |
| Marsa Alam | eigener Flughafen | gut | Schnorcheln, Tauchen, Abgeschiedenheit |
| Sharm el-Sheikh | eigener Flughafen | sehr gut | Taucher, Ras Mohammed |
Häufige Fragen zu Ägypten im Winter
Kann man in Ägypten im Dezember und Jänner baden?
Ja. Das Wasser hat im Dezember rund 23 Grad, im Jänner rund 22 Grad – wärmer als die Adria im Juni. Die Luft liegt tagsüber bei 22 bis 23 Grad bei nahezu täglichem Sonnenschein. Wer empfindlich ist, wählt ein Haus mit beheiztem Pool und ein Ziel weiter im Süden.
Wann ist der beste Monat für Ägypten?
Für die Kombination aus Baden und Ausflügen: Oktober und November. Das Wasser ist noch sommerwarm, die Luft angenehm, und Luxor ist bereits gut erträglich. Wer ausschließlich Sonne im Winter sucht, nimmt Jänner oder Februar und geht dafür weiter nach Süden.
Ist Ägypten im Winter günstiger als im Sommer?
Nein, meist im Gegenteil. Der ägyptische Winter ist Hauptsaison, weil halb Europa dann Sonne sucht. Wirklich günstig wird es in den Randzeiten – Anfang Dezember und in der zweiten Jännerhälfte. Weihnachten, Silvester und die Semesterferien sind die teuersten Wochen des Jahres.
Braucht man ein Visum für Ägypten?
Für österreichische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger ist ein Visum erforderlich. Es lässt sich bei der Einreise erwerben oder vorab online beantragen, und der Reisepass muss über die Reise hinaus gültig sein. Die genauen Anforderungen ändern sich gelegentlich – wir prüfen sie bei der Buchung für Ihr Reisedatum und sagen Ihnen, was Sie brauchen.
Lohnt sich All Inclusive in Ägypten?
In den meisten Fällen ja, deutlicher als in Europa. Außerhalb der Anlagen gibt es in den Buchtregionen kaum Restaurants, und die Preisdifferenz zwischen Halbpension und All Inclusive ist gering. Entscheidend ist nicht das Etikett, sondern die Küche des Hauses – und genau da liegt der Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Ägyptenwoche.
Unser Fazit
Wenn Sie in Österreich im November aus dem Fenster schauen und vier Stunden später am Riff stehen können, dann liegt das an einer Besonderheit, die kein anderes unserer Ziele hat: Ägypten dreht die Saison um. Was im Mittelmeer endet, fängt am Roten Meer gerade erst an.
Die schwierige Entscheidung ist nicht das Ob, sondern das Wo. Hurghada, Makadi Bay, Soma Bay und Marsa Alam sehen auf Hotelfotos ähnlich aus und sind vollkommen verschiedene Urlaube. Wind, Transferzeit, Riffzugang, Poolheizung und die Frage, ob es außerhalb der Anlage etwas gibt – das entscheidet über die Woche, nicht die Sternekategorie. Genau dafür sitzen wir am Griesplatz 2 in Graz, und genau dafür sind wir auch telefonisch erreichbar, wenn Sie schon unterwegs sind.
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Sagen Sie uns Reisezeitraum und wer mitreist – wir suchen die passende Bucht am Roten Meer und klären beim Veranstalter, was auf keiner Buchungsseite steht: ob der Pool im Winter wirklich beheizt wird und wie der Riffeinstieg aussieht.
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